Das Kartenhaus <> Die Schuld / Karin Bottke

Noch ist das Buch nicht fertig. Es ist ein Projekt von vielen, mit dem ich vor Jahren begonnen habe, das in meinem Kopf herumspukt, das mich nicht loslässt. Aber gut Ding braucht bekanntlich Weile. Und dass es ein gutes Ding werden wird, ein spannender Roman um eine Protagonistin, die für Aufregung sorgt, dafür garantiere ich.
Maren Brunjis - ein außergewöhnlicher Name. Eine außergewöhnliche junge Frau, mit der wir leiden, bangen, hoffen. Die wir ein Jahrzehnt begleiten und nie mehr loslassen möchten.

Hat der Löwe noch gebrüllt? Das war der Arbeitstitel dieser Idee. Inzwischen hat sich viel verändert. Der Roman ist gewachsen. Die Protagonisten haben sich selbstständig gemacht, haben ein Eigenleben entwickelt. Der Löwe, der in Maren Brunjis Träumen brüllt, bedrängt sie noch immer, geistert durch ihr Unterbewusstsein.
Aber viel aufwühlender ist für Maren das Auftauchen der Puppe Dorle geworden. 

Teil I
Maren, verwaist, misshandelt und in Angstträumen gefangen, findet 15jährig bei Mutter Hellmig ein neues Zuhause. Doch liebe Menschen gehen verloren, was bleibt sind die Träume. Die Angst. Der Löwe brüllt ...

Teil II
Zehn Jahre später, bei einem Aufenthalt in der Eifel nimmt Maren die dargebotenen Hände zögernd an. Sie hatte einmal gesagt: Liebe ist wie Hass, nur viel schlimmer.  In Trier, in der neuen Heimat, wird ihr bewusst: die Angst vor der Angst ist ihr Leben, aber – hat der Löwe noch gebrüllt?

Teil III
Das Kartenhaus ist eingestürzt. Die Vergangenheit holt die biedere Moral eines Familienclans ein. Liebe oder Lüge? Gewinn oder Verlust. Geht die Rechnung am Ende der Aufarbeitung von Schuld und Sühne auf? Erinnerung ist subjektiv.

Die erste Idee für ein Cover - ein Spiel mit dem Bildprogramm. Und rechts, das ist Dorle ...


EINE Lüge bleibt niemals allein. Sie zwingt zu neuen Lügen, zum Verschweigen, zum Vertuschen.
Warum werden die Hellmigs nach Jahrzehnten von der Vergangenheit eingeholt?
Nur weil ein Mädchen namens Maren Brunjis auftaucht?
Weil ein Verbrechen geschieht? Weil es nicht das einzige Verbrechen ist?
"Ruhen lassen", sagt die Versuchung.
"Reinen Tisch machen", sagt das Gewissen.

Da nicht nur die Familienmitglieder aus ihren ganz persönlichen Motiven heraus an einem Kartenhaus gebaut haben, ohne nach der Statik zu fragen, droht es einzustürzen. Wer trägt die Schuld? Nur der, dem es unter den Händen zusammenzubrechen droht?
Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein ...
So wie eine Lüge die nächste gebiert, so zwingt Schuld zu neuer Schuld.
Ein Teufelskreis.
"Es wird nichts mehr, wie es war", sagt die Reue.
"Ihr hättet Stillschweigen wahren müssen", sagt die Feigheit.
"Anhören und verzeihen", sagt die Liebe und übt sich in Geduld.

Die ersten Sätze:
War ich hier nicht immer geborgen, fragte sich Maren verzweifelt. Zwar ohne Eltern, ohne familiäre Bindung, aber eingebettet in ein soziales System; klaren Regeln unterworfen. Sie kannte es seit Jahren nicht anders, hatte sich angepasst.
Vor einigen Tagen war jener Viktor aus dem Nichts aufgetaucht, der ihr fremd war, den sie aus ihren Träumen zu kennen meinte. Träume, die sie beherrschten, bedrückten von Kindheit an. Dieser Viktor, dominierend, großspurig und begütert, wie es schien. Einen jeden mit seinen geschwollenen Reden einwickelnd.
Was er so unvermittelt in Maren weckte, konnte sie nicht deuten. Ein Gefühl. Es war da, erschreckte sie, schnürte ihr die Kehle zu. Er würde die Waise aus dem Mainzer Internat in das Haus der entfernten Verwandten zurück nach Hamburg bringen, hatte er angekündigt. Es sei an der Zeit.
Der gute Name der Reederei Oltmann war erhaben über jeden Zweifel. Die Papiere, die Viktor Oltmann vorgelegt hatte, waren in Ordnung, die Formalitäten schnell erledigt. Die Übergabe der menschlichen Ware, denn nichts anderes schien sie für ihn zu sein - diese Übergabe war vollzogen worden.

Ein neuer Entwurf fürs Cover.
Das Kartenhaus bröselt. Die Angst kriecht aus dem Dunkel.
So könnte es vielleicht gehen ... Anregungen sind herzlich willkommen!